Wir befinden uns im Herbst 2018

Die Initiative „Leben & Bewusstsein“ bringt im aktuellen Jahreskatalog folgendes Interview mit Barbara Fortunara Lexa heraus

Entstanden ist das Interview vorausschauend im Juli 2017

L&B: Liebe Barbara Fortunara, du lebst seit kurzem hier in einem Wohnwagen und gibst Kurse zum bewussten Leben in der freien Natur. Wie kam es dazu?

BF: zunächst einmal ist es ganz entscheidend, dass ich nicht in einem Wohnwagen, sondern in einem Wohnwagon lebe. Der wesentliche Unterschied zwischen dem e und dem o ist der, dass herkömmliche Wohnwägen weder biologisch, noch ökologisch, noch autark sind. Und gerade darauf kommt es mir an. Normalerweise haben Wohnwägen keine oder eine Chemie-Toilette, sie erzeugen in der Regel nicht ihren eigenen Strom und das Brauchwasser geht ungeklärt in den Boden oder wird über einen Campingplatz zur kommunalen Kläranlage geleitet. Mein Wohnwagon hier hat eine Grünkläranlage auf dem Dach, eine eigene Solaranlage und eine Kompost-Toilette, mit der ich feinsten pflanzlichen Kompost, so genannte Terra Preta erzeuge.

L&B: Oh! Das klingt sehr nach Umweltbewusstsein. Hast du dir da viele Gedanken gemacht oder war das eher zufällig?

BF: Meiner Meinung nach gibt es keine Zufälle im Sinn von nicht vorhersehbaren Ereignissen. Alles, was Dir zufällt, geschieht, weil du irgendwann einmal den energetischen Fokus, also deine Gedanken darauf gelenkt hat. Ob bewusst oder unbewusst. Geist erzeugt Materie 🙂

Ich persönlich habe zuvor 30 Jahre lang in einer sehr schönen Wohnung gelebt, die für eine vierköpfige Familie mit zusätzlichem Büro ausgelegt ist. Ich liebe diese Wohnung noch immer, sie wurde mir nur eines Tages zu groß und auch die Geräusche und Stimmen der Stadt rundherum wurden mir viel zu laut, die Staus viel zu lang, die Abgase viel zu muffig.

Zudem wollte ich die weite Entfernung zu meinem Freund etwas verringern, was auf diese Weise zu unserem Glück auch gelang.

Momentan wird die Wohnung von meinen beiden erwachsenen Kindern und einer Freundin bewohnt, das Büro ist noch immer mein Büro, wenn ich von Zeit zu Zeit vorbei schaue. Mir war damals klar, dass es nur zwei Möglichkeiten geben würde. Entweder es gelänge mir, in einen biologisch-autarken Wohnwagon zu ziehen, oder ich würde in der Wohnung bleiben. Kompromisse kamen für mich nicht mehr in Frage, ich hatte 50 Jahre lang zu viele Kompromisse gemacht und war dabei nicht glücklicher geworden.

L&B: Die Solaranlage für den eigenen Strom leuchtet schnell ein. Warum waren dir eine Kompost-Toilette und eine Kläranlage so wichtig?

BF: Ich lebte damals ohnehin schon seit mehr als 5 Jahren vegan, weil ich die Verantwortung für das andauernde Gemetzel, die unendliche Tierquälerei und die Machenschaften der Lebensmittel- und Pharmaindustrien nicht mehr übernehmen wollte und konnte. Das Wissen, dass für mich kein einziges Tier mehr malträtiert, eingesperrt und getötet werden würde, war unendlich befreiend und zudem meinem Körper und dessen Gesundheit sehr zuträglich.

Ich sah danach auch die Zusammenhänge zwischen Wasserklo und übersäuerten, an Phosphat armen Böden klarer. Mit unseren überall üblichen Wasserspülungen verbrauchen wir nicht nur Unmengen an Trinkwasser, wir geben die Phosphate nicht mehr an die Erde zurück, und düngen sie dafür mit chemischen Substanzen. Das ist für mich völlig widersinnig. Ich halte es für weitaus sinnvoller, all das, was wir unserer Mutter Erde entnehmen, nach der Nutzung zu säubern und ihr in einer Art und Weise wieder zukommen zu lassen, die ihr nicht schadet, im besten Fall sogar nützt.

Meine Kompost-Toilette funktioniert ohne Wasserspülung. Die flüssigen Anteile werden auf dem Dach zusammen mit dem anderen Brauchwasser geklärt und dann der Erde zugeführt, die festen Stoffe können mit ein wenig Asche und Erde direkt kompostiert werden. Alle Phosphate bleiben erhalten. Da sich bei meiner Ernährungsweise ohnehin nur Pflanzliches ansammelt, habe ich den bestmöglichen Kompost, den ich direkt wieder verwerten kann, um Tomaten und Kürbisse zu ziehen.

Mir ist bewusst, dass ich damit nicht plötzlich die ganze Welt retten kann, doch ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Einzelne die Verantwortung für sich übernehmen sollte. Einer oder eine wird immer und in allem den Anfang machen.

L&B: entscheidest du in allen Lebensbereichen so bewusst?

BF: Soweit es mir möglich ist, auf jeden Fall. Für mich war auch sofort klar, dass ich an einem Ort leben würde, der absolut friedlich ist. Alle Erzeuger, die sich noch direkt oder indirekt am Leid von Tieren oder Menschen bereichern, kamen für mich als Verpächter nicht in Frage. Ich wusste sehr schnell, dass ich nur im Verbund mit einem Gemüsebauer, einer Gärtnerei, einer Baumschule oder einem Weinberg leben wollte. Zudem habe ich mir im Sommer 2017 einen Einkaufs-Stopp auferlegt, der alles einschloss, was ich nicht wirklich zum Leben oder für den Wohnwagon benötigte.

Ich hatte allein so viel Kleidung in den Schränken, dass ich eine zehnköpfige Familie 20 Jahre lang hätte einkleiden können. Das Meiste konnte ich verkaufen und verschenken. Das habe ich auch mit allen anderen Dingen so gehalten. Ich habe das behalten, was ich wirklich nutze, so zum Beispiel auch meine geliebten FiveFingers Schuhe, weil ich seit Jahren keine „normalen“ Schuhe mehr trage, ferner meine Langlauf-Schi, ein paar Lieblingsbücher, und die schönsten Fotobücher, weil ich beim Durchblättern immer wieder sehe, wie schön mein Leben ist.

L&B: Hättest du nicht auch einfach in einem Zelt leben können? Oder in einem Schäferwagen? Warum musste es, abgesehen von der Toilette und der Solaranlage, die man ja überall aufstellen könnte, dieser Wohnwagon sein?

BF: Mir geht es nicht darum, möglichst primitiv, spartanisch und besitzlos zu leben, sondern darum, mir bewusst zu sein, was ich selbst für Bedürfnisse habe. Ich hatte überhaupt nicht vor, in einen Wagen zu ziehen. Erst, als ich eben genau diesen Wohnwagon in einem Buch zum ersten Mal abgebildet und beschrieben sah, war mir schlagartig klar, dass dies meine neue Art zu leben war. Ich liebe das Lärchenholz außen, den Altholzboden, die Rundungen vorne und hinten. Die Optik und die regionalen, veganen, natürlichen Materialien sprachen mich sofort an.

Zu dem Bedürfnis, der Erde und ihren Wesen keinen Schaden zuzufügen, kommt natürlich mein eigenes Bedürfnis, mich mit warmem Wasser zu duschen, meine Lebensmittel im Sommer kühlen zu können, genügend Stauraum sowie ausreichend Licht zum Lesen und Arbeiten zu haben, in einem großen, bequemen Bett zu schlafen, und auch bei schlechtem Wetter mit meinem Partner oder einer Gruppe von Leuten, Gästen und Freunden, bequem Platz zu finden, obwohl ich ansonsten in der Natur und in einer sehr ruhigen Umgebung lebe.

L&B: Gäste ist das Stichwort. Du hast viele Jahre lang Jodelkurse gegeben, viel komponiert und CDs produziert, bist so zu sagen die „Mutter der Jodelmantras“. Gibst du immer noch Kurse und was genau bietest Du an?

BF: Kurse gibt es noch bei mir, wenn auch keine reinen Jodelkurse mehr, und ich nenne sie auch nicht mehr Kurse, sondern Fortunissima-Tage. Sie haben den „Weg in die eigenverantwortliche Selbständigkeit“ zum Thema und sind eine bunte Mischung aus Seminar, Erzählungen, offenem Singen und Jodeln, sowie Informationen zur Autarkie und zum bewussten, achtsamen Leben allgemein.

L&B: Das hört sich sehr spannend und stimmig an! Wie darf ich mir so einen Tag vorstellen?

BF: Wir sind meist eine Gruppe von bis zu acht Teilnehmerinnen. Wir stellen uns gegenseitig vor, erzählen, warum wir hier sind, was wir erwarten. Es ist ein immerwährender Austausch, ein Geben und Nehmen, jede stellt – sofern gewünscht und zum Thema passend – ihre eigenen Erfahrungen und Informationen zur Verfügung. Wir schauen uns alles an, besprechen alles, ich flechte meine Hinweise ein, beantworte viele Fragen. Wir singen gemeinsam Mantras auf Bairisch, meistens jodeln wir auch, weil es eine immens wichtige Erfahrung ist, die eigene Stimme mit Lebensfreude zu koppeln und endlich einmal aus Freude laut zu singen und zu juchzen. Wir essen gemeinsam und verbringen auf diese Weise einen ganzen Tag miteinander.

L&B: mir fällt auf, dass du ausschließlich von weiblichen Teilnehmern sprichst. Schließt du die Männer bewusst aus?

BF: ganz im Gegenteil. Es kommt immer mal wieder vor, dass ein oder mehrere Männer dabei sind, doch das ist eher die Seltenheit. Das war früher bei meinen Jodelkursen auch schon so, und diese Tendenz hat sich noch verstärkt.

L&B: warum ist das so? Warum kommen zu dir so wenig Männer?

BF: meiner Erfahrung nach hat das mehrere Gründe: viele Männer können zum Einen mit dem Begriff Jodelmantras nicht viel anfangen, sie wollen lieber Texte über Jäger und Wilderer und andere alte Klischees singen. Die meisten Männer haben zum Anderen noch große Vorbehalte dem veganen, ja sogar dem vegetarischen Leben gegenüber. Ich bitte meine Gäste grundsätzlich, zwei Tage vor dem Kurs bereits vegan und wenn möglich ohne Alkohol zu leben, damit mein pflanzlicher Toiletten-Kompost auch weiterhin so pflanzlich bleibt und die Schwingung hier am Platz auch weiterhin friedlich ist. Hier wird auch nicht geraucht. Für viele Männer ist das nicht nachvollziehbar, für die meisten Frauen jedoch eine willkommene Abwechslung, sofern sie sich nicht ohnehin schon vegetarisch/vegan ernähren.
Grundsätzlich sind Männer genauso willkommen, es ist an der Zeit, sich zu öffnen. Für den Frieden, für die Gesundheit, für das weibliche Prinzip des Annehmens.

L&B: Wie kamst du zu zu deinem wohlklingenden Namen und wie bist du zu dem Namenszusatz Fortunara gekommen?

BF: Barbara Lexa ist mein Geburtsname, den ich trotz abweichender Ehenamen als Künstlernamen beibehielt. Vor vielen Jahren kam ich zu einem Yogalehrer in die Gruppe und bemerkte, dass fast alle der Teilnehmerinnen einen indischen Namen von ihm bekamen. Eine hieß Moksha, eine andere nannte er zum Beispiel Aloka. Als ich ihn fragte, ob er mir auch einen indischen Namen geben würde, suchte er eher halbherzig nach Möglichkeiten, bot mir dann auch ein Wort aus dem Sanskrit an, mit dem ich jedoch nichts anfangen konnte, und das sich für mich nicht stimmig anfühlte.

Bald darauf wechselte ich ohnehin in die Yogagruppe einer bodenständigen, bayerischen Yogini. Dennoch blieb so ein Hauch von Ahnung, dass auch ich eines Tages einen zusätzlichen Namen haben würde, wenn auch nicht aus dem Sanskrit. Als ich mich im Juni 2017 dazu entschloss, meinen Wohnwagon zu realisieren, hatte ich vor allem das fiktive Land Fortunarien vor Augen, nach dessen Vorbild ich leben wollte. Als ich dann den Plan für meinen eigenen Wohnwagon machen ließ, wusste ich plötzlich, dass dieser „Fortuna“ heißen würde, nach der Göttin des Glücks. Und was liegt näher, als mich selbst als Fortunara zu bezeichnen? Als eine Frau, die innerlich glücklich ist und lebt, und diese Art von stillem, inneren Glück auch an andere Menschen weitergibt.

L&B: Das hört sich so schön an. Ich denke, dass inzwischen viele Menschen auf diesem Weg sind und bei dir noch einiges lernen können. Seit wann bist du Lehrerin?

BF: ich selbst betrachte mich nicht als Lehrerin. Dieser Begriff hat mich auch bei den Jodelkursen schon gestört. Er hat etwas stark Trennendes. Da wäre auf der einen Seite der Lehrer, der alles weiß und auf der anderen Seite die Schüler, nicht nichts wissen und deshalb vom Lehrer abhängig sind, um selbst auch etwas zu wissen oder zu können.

Ich bin gegen jegliche Abhängigkeit, deshalb sehe ich mich als unabhängige Frau, die ihre Zeit, ihren Platz und ihre Erfahrungen zur Verfügung stellt. Für Menschen, die genau daran interessiert sind und die dafür auch bereit sind, etwas zum Energieausgleich zu geben. Ich sagte vorhin schon, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein fließender Ausgleich, der sich auf verschiedene Arten zeigt. Es ist ein gegenseitiges Beschenken.

L&B: bedeutet das, dass du kein Geld verlangst?

BF: Geld ist ein sehr wichtiges Thema. Noch leben wir in der Dualität und in einem System, in dem wir ohne Geld kaum auskommen. Es gibt zwar Einzelne, die bewusst ganz ohne Geld leben, doch zu denen zähle ich mich nicht. Für mich ist auch Geld eine fließende, wunderbare Energie, die sich wandelt. Ohne Geld hätte ich den Wohnwagon nicht finanzieren können. Ich handhabe das deshalb so: wenn jemand mir Geld zum Ausgleich geben möchte, dann nehme ich das sehr gerne an, schließlich habe auch ich monatliche Ausgaben, die gedeckt sein wollen. Wenn jemand mir etwas anderes für meine Zeit und mein Wissen schenken möchte, so ist das in Absprache mit mir auch immer möglich. Es handelt sich dann um Gegenstände oder Lebensmittel, die ich im Moment gerade brauche und nutze. Deshalb ist die Absprache vorher wichtig.

L&B: Lebst du von diesen Fortunissima-Tagen? Oder hast du noch andere Einkommensquellen?

BF: ich biete zu den offenen Tagen auch noch meine Bücher und CDs an, meinen Eigenverlag habe ich immer noch, es entstehen auch gerade neue Bücher.

L&B: wovon handeln sie und wann können wir sie lesen?

BF: Das erste Buch handelt von meinem Dasein hier an diesem wunderschönen Ort, von meinen Eindrücken, meinen Gedanken und Ideen. Es enthält Erzählungen über Ereignisse und Begebenheiten, vor allem, wie es überhaupt dazu kam. Denn der Werdegang des Wohnwagons Fortuna ist eine ganz spezielle Geschichte! Außerdem wird im ersten Teil auch die ursprüngliche Geschichte von Fortunarien abgedruckt.

Das zweite Buch ist eine Sammlung von Interviews mit anderen Besitzerinnen und Besitzern eines solchen Wohnwagons, denn hinter jedem dieser einzigartigen Wagons verbirgt sich eine spannende und wunderschöne Geschichte, die in jedem Fall lesenswert ist. Ich gehe davon aus, dass beide Bücher rechtzeitig fertig werden, damit sie heuer das Christkind unterstützen und als Weihnachtsgeschenke dienen können.

L&B: wo kann man deine Bücher dann beziehen?

BF: wie immer über meinen Verlag und die Webseite www.balexa-verlag.de – die Termine für die Treffen im Wohnwagon gibt es hier.

L&B: gibt es noch ein Lebensziel, das du vor hast, zu erreichen?

BF: ja, das gibt es. Als ich im Alter von 50 Jahren im Frühling auf meiner Geltinger Lauf-Runde am Kanal entlang trabte, hörte ich einen Kuckuck schreien. Ich fragte ihn, wie viele Lebensjahre ich noch vor mir hätte und lauschte. Der befragte Vogel schrie ganze 53 Mal sein aufmunterndes „Kuckuck“ und ich war sehr gerührt. Das bedeutete, dass ich 103 Jahre alt werden würde. Damit es meiner Seele auch so lange gut in meinem Körper gefällt, achte ich darauf, weiterhin geistig und körperlich fit zu sein und eigenverantwortlich zu leben. Als Vorbild fungiert Kardius, einer der Bewohner des Landes Fortunarien, der gewissermaßen uralt und dennoch alterslos ist. Ich bin überzeugt, dass dies in eigener Verantwortung auch hier als Mensch auf der Erde möglich ist.

L&B: Vielen Dank, Barbara Fortunaria, für dieses gehaltvolle und schöne Interview! Weiterhin alles Gute und viel Glück!