Unsere Motorradtour durch Österreich

Motorrad-Tour zum Wohnwagon
Auf dem Weg zu Fanni und Karl

Hans und ich starten am Mittwoch, 5. Juli von Bogen aus an der Donau entlang nach Österreich. Das allein ist ja schon eine sagenhaft schöne Strecke, und weil die Sonne scheint, der Himmel blau lacht und die Donau grün schillert, ein absoluter Genuss.
Nach Grein an der Donau machen wir einen kurzen Abstecher hinauf nach Waldhausen, später finden wir ein sehr nettes und ruhiges Quartier in Abwinden, ein Stück hinter Linz.

Am Donnerstag fahren wir bei St. Pölten dann hinunter in den Süden, schlängeln uns durch enge Täler mit hohen Tannen und erleben eine fantastische Fahrt bis wir am späten Nachmittag dann endlich Steinapiesting erreichten. Noch ein paar Kurven hinauf durch das enge Tal am Bach entlang, nur von hohen Bäumen gesäumt, und dann, ganz plötzlich steht sie da rechts neben der Straße auf der Wiese:

Die Fanni

Barbara steht vor der Fanni
Das erste Ziel ist erreicht

Golden leuchtet sie in der Abendsonne, die Türe zum Willkommensgruß geöffnet, der helle Leinenvorhang weht sanft in Wind und haucht: „Komm, tritt ein, sollst glücklich sein…“, und genau das machen wir. Als ich die ersten Schritte mit den bloßen Füßen auf den Holzboden setze, mich umsehe und alles auf mich wirken lasse, weiß ich: so fühlt sich mein zukünftiger Wohnraum an.

Ich fühle mich sofort zuhause und beginne auch gleich, die Tomaten für das Abendessen zu schneiden. Ich spüre intuitiv, wo ich Besteck und Geschirr finde, fühle das warme Holz unter den Sohlen und schaue beim Küchenfenster hinaus ins Freie.
Draußen sitzt Hans auf der Bank und genießt die Sonne, ein paar vorwitzige Hennen trippeln näher um den neuen Besuch zu beäugen.
Ich schlafe sehr gut in dem breiten Bett, der Lehmputz und die Fichtenbeschalung ergeben ein angenehmes Raumklima, es könnte im Paradies nicht schöner sein.
Besonders genieße ich die Dusche mit dem fließend warmen Wasser, die geniale Komposttoilette und den schöne Ofen, auch wenn es zu heiß ist, um ihn zu befeuern.

Küche in der Fanni
Daheim angekommen

Am nächsten Tag frühstücken wir im Freien, packen in Ruhe und machen uns auf den Weg nach Wien, wo wir Theresa Steininger vom Wohnwagon-Team treffen. Die Fahrt dauert zweieinhalb Stunden und der Kulturschock ist groß. Plötzlich sind da Unmengen von stinkenden Autos, beinahe nur noch rote Ampeln, keine Wälder mehr, kein Schatten.

Die Luft ist drückend heiß und flirrt, als wir von Leobersdorf auf der 17ner nach Wien fahren.
Wir sitzen buchstäblich im eigenen Saft, als wir gegen Mittag im Atelier von Wohnwagon.at ankommen.
So viele Fragen gilt es zu beantworten. Fragen nach verschiedenen Materialien, nach Garantien, nach Stellpatzmöglichkeiten. Natürlich gehen wir auch ins Detail und besprechen die Farbe des Holzes, der Wand, der Möbel, wie hoch die Kapazität der Solaranlage sein soll und ob ich einen Erker haben will oder nicht. Nachdem ich in der „Fanni“ einen halben Tag gewohnt habe, ist klar: ich werde um den ausziehbaren Erker nicht herumkommen.

Die erste Besprechung zum Wohnwagon-Plan
Bei Theresa Steininger in Wien

Nur mit diesem Raumangebot kann ich auch bei schlechtem Wetter kleine Gruppen von bis zum acht Personen beherbergen, zum Beispiel um Jodelkurse zu geben.

Der Karl im Weinberg

Nach der Besprechung in Wien machen wir uns auf den Weg zu „Karl“. Er steht im Norden oben ganz nah an der Donau in Wagram bei Traismauer.

Mit dem Schubkarren hinauf zu Karl
Karl steht hoch oben im Weinberg

Die Fahrt ist wunderschön. Überall goldene Weizenfelder, die sich mit sattgrünem Kukuruz (Mais) und Rüben abwechseln. Dazwischen immer wieder strahlend gelbe Sonneblumen-Felder, die mich anlachen, wie vor zwei Jahren die tibetischen Kinder in Mussoorie/Indien, die in Reih und Glied auf dem Schulhof standen, und glücklich einer Clown-Aufführung lauschten.

Endlich erreichen wir das Weingut Schöller, auf dessen Weinberg der Karl steht. Weil wir mit dem Motorrad nicht hinauffahren dürfen, bekommen wir eine Scheibtruhe (Schubkarren) geliehen und machen uns auf den Weg durch die Weinstöcke nach oben.
„Karl“ steht erhaben über uns und ist sozusagen die Miniaturausgabe der Fanni. Eine Art Miniwohnung, in der an alles gedacht wurde, die perfekt ausgetüftelt vor mir steht, für meine eigenen Bedürfnisse jedoch leider zu klein ist.
Dafür genießen wir diesen Platz noch mehr, als zuvor den Standort der „Fanni“. Nachmittags bildet sich über dem Ort unter uns ein bunt leuchtender Regenbogen und Vögel, die aussehen, wie fliegende Edelsteine, gleiten neben uns über die Weinstöcke. Es sind Bienenfresser, die vor uns hin und her segeln, das bunte Gefieder glänzt in der Abendsonne. In der Dämmerung sitzen wir am Rand der natürlichen Terasse über den Weinreben auf bequemen Liegestühlen, schauen direkt in den Vollmond und über das Donautal vor uns. Eine Sternschnuppe verglüht funkelnd im Nachthimmel, und als ich mich umdrehe, stehen die Sterne des „Großen Wagen“ direkt über dem „kleinen Wagen Karl“. Ein tief berührender Anblick.
Nach einer friedlichen Nacht, einem fulminanten Morgenrot und einem ausgiebigen Frühstück auf der Terasse vorm „Karl“ kommen schwarze Wolken auf. Als wir am Vormittag des 8. Juni – genau einen Monat nach Entdeckung des Wohnwagons – zur Rückfahrt aufbrechen, schauen wir aus wie Außerirdische, weil es in Strömen regnet.
Zum Glück kommt auf der Fahrt an der Donau entlang nach Bayern immer wieder die Sonne durch und wir genießen den Tag.
Ja, liebe Fanni und lieber Karl, es war wunderschön bei Euch und mit Euch und ich danke Euch aus ganzem Herzen für das Fühlen, Staunen, Erkennen und Da-Sein.
Jetzt gehts erst richtig los…